Der Beginn der Corona Pandemie im Rückblick

W. Miedl

Aus der Sicht der Kindertageseinrichtungen: Gemeinsames und Trennendes und die Öffnung neuer Zeitfenster

Erste Vorzeichen und Handlungsschritte

Am Montag nach den Faschingsferien wurde die – bisher in verschiedensten Medien geschilderte – Ausbreitung des Coronavirus für uns alle greifbar. Der Beginn dieser Corona-Pandemie in den Häusern für Kinder ist untrennbar mit dem Wort „Risikogebiet“ verknüpft. Die Ausweitungen brachten täglich neue E-Mails und erforderten Aktualisierungen in Form von Aushängen, Elternmitteilungen und Veröffentlichungen auf unserer Webseite. Die Hausmeister Herr Hofmann und Herr Kolis montierten unzählige Seifenspender, und alle Stoffhandtücher verschwanden in den Schränken. Schon zu diesem Zeitpunkt waren wir über die umsichtige Vorratshaltung von Lukas Hoyer in Sachen Desinfektionsmitteln, Seifenspender, Papierhandtücher und Toilettenpapier sehr dankbar! In der ersten Märzwoche erhielten wir einen Eindruck davon, wie das Corona Virus auf unbestimmte Dauer unseren Alltag weiter beeinflussen sollte. 

Schließung unserer Häuser für Kinder – Gemeinsames und Trennendes

Am Sonntag, den 8. März erreichte uns die Nachricht, dass zwei Schülerinnen unserer Schule mit dem Corona-Virus infiziert sind. Am Montag, den 9. März blieben Schule und unsere Häuser für Kinder erstmals auf Grund von Corona geschlossen. Wir erlebten uns als gemeinsam im Boot sitzend. Dieses Gemeinschaftsgefühl fand ein jähes Ende, erklärten uns doch zuständige Mitarbeiter*innen des Jugendamtes und des Gesundheitsamtes der Stadt Nürnberg, dass sie keine Schwierigkeit darin sehen, wenn unsere Kindertageseinrichtungen bereits am Dienstag wieder öffnen. Wir schilderten unsere Verknüpfungen (Geschwisterkinder, Mitarbeiterinnen mit Schulkindern an der RSSN, usw.), aber all dies interessierte nicht. Dieses Trennende spiegelte sich nun in den vorher gemeinsam begonnenen Besprechungen mit Sue Pyrah, Peter Hohage, Klaus Seel, Lukas Hoyer, Timo Karrock, Stefan Laumer, Werner Miedl und mir wider, welche sich nun aufspalteten in ein Schul-Krisenteam und ein Kita-Krisenteam. Stefan Laumer und Werner Miedl vollführten zu diesem Zeitpunkt einen Spagat um in beiden präsent zu sein. Das Schul-Krisenteam erweiterte sich. Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es wieder ein gemeinsames Krisenteam, welches sich aus Schule (Peter Hohage, Sue Pyrah, Sebastian Rothlauf, Klaus Seel), Technik (Lukas Hoyer), Fachdienst Schulpsychologie (Alexander Ottlik), Eltern (Katharina Kaltenhäuser), Geschäftsführung und Trägerschaft (Stefan Laumer, Werner Miedl) und Kindertageseinrichtungen (Claudia Keller) zusammensetzt. 

Betretungsverbot für Schule und Kindertageseinrichtungen

Am Freitag, den 13. März waren wir wieder vereint, denn es kam zum Betretungsverbot in allen Schulen und Kitas in Bayern. Wir profitierten von unseren Erfahrungen der ersten Woche in jeder Hinsicht: wir besorgten uns diesmal ein Mittagessen, denn es kam zu einem zweiten Besprechungsmarathon. Das Lesen unzähliger E-Mails, das Verfassen von Briefen an Eltern und Kollegium und Besprechungen in Krisenteams unterschiedlicher Zusammensetzung, wurden seit diesem Zeitpunkt für uns zum Alltag, auch an Wochenenden. Fehlende Perspektiven, unvorhersehbare Entscheidungen und sehr spät übermittelte Vorgaben wurden zum Dauerthema und sind dies bis heute. 

Beginn der Notbetreuung

Es startete die Notbetreuung mit all ihren Berechtigungserweiterungen und den wöchentlich neuen Dienstplänen. In enger Zusammenarbeit wurde die Notbetreuung für Schule und Kindertageseinrichtungen organisiert. Sue Pyrah und Timo Karrock erhielten täglich Anfragen, prüften Berechtigungen, berücksichtigten Eltern aus systemrelevanten Berufen, telefonierten, schrieben E-Mails und erarbeiteten Dienstpläne.

Für alle pädagogisch tätigen Menschen in unseren Häusern für Kinder veränderte sich der Arbeitsalltag grundlegend. Die anfangs wenigen Kinder in der Notbetreuung wurden gruppenübergreifend betreut und erlebten eine sehr familiäre Atmosphäre. 

Schutzmaßnahmen 

Mit der Aufnahme der Notbetreuung beschäftigten wir uns mit der Frage: „Wie können wir die Kinder und die Mitarbeiter*innen schützen?“. Das Tragen von Masken für Wiegestuben- oder Kindergartenkinder hielten wir von Anfang an für nicht durchführbar bzw. zumutbar. Ein Hygienekonzept wurde an einem Wochenende von Danika Zweimann in Zusammenarbeit mit Claudia Keller und Werner Miedl und in Absprache mit Angelika Meister erarbeitet. Vom Plexiglasvisier über Mund-Nasen-Bedeckungen für Kinder bis zu Abstandsmarkierungen, all das kam für den Wiegestubenbereich und den Kindergarten nicht in Frage. Wir wollten den Kindern wie bisher unser Gesicht und die damit verbundene Mimik zeigen. Gerade jetzt sollte ein Lächeln und ein liebevoller Blick die Kinder erreichen. Das Wickeln von Kindern kennt keine Abstandsregelung, und Hilfestellungen in der Garderobe gelingen nicht aus der Distanz. Viele Situationen ließen sich noch anfügen. Allen Kinderpflegerinnen und Erzieherinnen sei deshalb an dieser Stelle für ihre wichtige Arbeit ein großer Dank gesagt. In Gesprächen und Videokonferenzen haben wir mehrmals die Situationen beurteilt und haben auch über Bedenken, Verunsicherungen und Ängste gesprochen. Mitarbeiter*innen mit Vorerkrankungen wurden bzw. werden bis heute für die pädagogische Arbeit mit den Kindern nicht eingeteilt.

Kreative Konzepte 

Die Entwicklung kreativer Konzepte war gefragt. Wie kann der Kontakt mit den Kindern und den Familien aufrechterhalten werden? Es wurden Karten an Kinder geschrieben, Bastelanleitungen und Geschichten verschickt, Lieder als Audiodatei verteilt, Fingerspiele auf Video gezeigt, Kressesamen zum Osterfest verschickt und vieles mehr. Jedes Gruppenteam entwickelte neue Ideen und tauschte diese mit anderen Kolleginnen aus. Mit großer innerer Verbundenheit wurden und werden diese Kontakte mit den Kindern und Eltern gepflegt. Zahlreiche Telefonate mit Eltern haben ebenfalls dazu beigetragen, dass die guten Kontakte zu den Elternhäusern nicht abgerissen sind. Bereits Mitte März entstand unsere „Schatztruhe“. Werner Miedl betreut dieses Angebot auf unserer Webseite bis heute und füllt die Schatztruhe unermüdlich mit Inhalten aus dem Kollegium, zudem aktualisiert er sämtliche Informationen für Eltern und Interessierte. Auf Anregung des Elternbeirates entstand ein interaktives Angebot für Kinder, welches die Gemeinschaft unserer Häuser für Kinder verdeutlicht: die Steinschlange Susi. Bunt bemalte Steine sind das Futter von Susi und sie schlängelt sich des Weges immer länger und länger werdend entlang. 

Neue Zeitfenster

Die Corona Pandemie hat uns neue Zeitfenster geöffnet. Viele Mitarbeiterinnen in den Häusern für Kinder haben die Zeit genutzt und mit Unterstützung der Hausmeister die Wände ihrer Gruppenräume neu lasiert. Es wurden in den Kindergartengruppen des Haupthauses alle Böden abgeschliffen und neu eingelassen. Kämmerchen wurden entrümpelt, Gartenbeete gepflegt, Materialien repariert und Sanitärräume gestrichen und gestaltet. Die Räume erstrahlen in neuem Glanz und der handwerkliche Einsatz aller beteiligten Mitarbeiterinnen war enorm. Viele der Aktionen waren auf der Webseite zu entdecken. 

Die finanzielle Seite der Corona Pandemie

Am 23. April hat der Kita-Entwicklungskreis einen Brief an alle Eltern unserer Häuser für Kinder verschickt mit einem großen Dank für die Treue und gelebte Solidarität mit unseren Einrichtungen. Bisher hatten alle Elternhäuser weiterhin die Elternbeiträge für die gebuchten Betreuungszeiten bezahlt. In all den Wochen war uns stets bewusst, wie schwierig die Situation für Familien durch die fehlende Betreuung der Kinder in unseren Kindertageseinrichtungen war und ist. Wir wussten von existenzgefährdenden Situationen, von Familienangehörigen, die zur Risikogruppe gehören, von zusätzlichen Belastungen und enormen Druck. In enger Zusammenarbeit mit dem Elternbeirat haben wir in Videokonferenzen bzw. in einer Videoelternbeiratssitzung die jeweils aktuelle Situation dargelegt u. a. auch die für den Träger problematische Rückerstattung der Elternbeiträge. Eine anfänglich gute Nachricht wandelte sich mit der Zeit in eine beunruhigende: die von der Staatsregierung zugesagten Pauschalbeträge decken nicht die Elternbeiträge ab. Der Ausgang ist noch ungewiss. 

Eine Herausforderung für alle

In all diesen Wochen war die Belastung für alle Kinder und Erwachsenen sehr hoch. Jeder Mensch erlebte die Veränderungen und Einschränkungen anders.  Inzwischen haben wir erkannt, dass die Corona-Pandemie ein Marathon und kein Sprint ist. Alle Beteiligten, Familien, Kollegium, Hausmeister, Reinigungskräfte, Verwaltung und Geschäftsführung und das Krisenteam haben in den vergangenen Wochen ihr Bestes gegeben. Wir danken dafür von Herzen! Für Versäumnisse und Fehler, die in dieser für alle neuen Situation entstanden, bitten wir um Verständnis. Wir wünschen uns eine baldige Rückkehr zur Normalität, d. h. dass alle Kinder wieder in ihren Gruppen betreut werden können, von der Wiegestube bis zum Hort.  

Den Veränderungen und Einschränkungen in unserem Alltag begegnen Kinder oft mit einem anderen Blick. Sie sehen die leuchtende Löwenzahnblüte und freuen sich an einer tiefen Regenwasserpfütze. Lassen Sie uns gemeinsam den inneren Reichtum jedes Einzelnen erkennen, ganz im Sinne des Grundsteinspruches unserer Einrichtung:

„Das Schöne bewundern, 
Das Wahre behüten, 
Das Edle verehren, 
Das Gute beschließen: 
Es führet den Menschen,
Im Leben zu Zielen, 
Im Handeln zum Rechten, 
Im Fühlen zum Frieden, 
Im Denken zum Lichte, 
Und lehrt ihn Vertrauen, 
Auf göttliches Walten, 
In allem, was ist, 
Im Weltenall, 
Im Seelengrund.“

Rudolf Steiner

C. Keller
für den Kita-Entwicklungskreis

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