UNESCO-Projekt-Tag am 26. Juli 2023 – ein Rückblick

Es ist gut, dass wir die Erklärung der Menschenrechte haben. Besser wäre es, wenn wir sie erst gar nicht bräuchten.

Paul Johann Anselm Ritter von Feuerbach

Am Mittwoch der letzten Schulwoche, dem 26.07.2023, fand nach jahrelanger Pause endlich wieder ein ganztägiger und schulweiter UNESCO-Projekttag statt, der ganz im Sinne der Werte und Ziele der UNESCO – Frieden, Weltoffenheit und nachhaltige Entwicklung – stand. 

Den Schüler*innen der Oberstufe (Klasse 9-12) standen elf verschiedene Workshops zur Auswahl, welche sowohl von Kolleg*innen als auch externen Dozent*innen angeboten und geleitet wurden. An dieser Stelle noch einmal HERZLICHEN DANK an alle Mitwirkenden! 

Menschenrechtsspiel “Courage”

Workshop “Standbilder”

Kreatives Schreiben

Einsamkeit in modernen Gesellschaften

17 Nachhaltigkeitsziele der UN für eine bessere Welt

Nachhaltigkeit in der Textilindustrie

Rechtsterrorismus heute: NSU-Komplex

Internationale Tänze

Portrait-Zeichnen

Allgemeine Erklärung der Menschenrechte und Menschenrechtsschutz

Digitale Resilienz

Zum gemeinsamen Lernen von Tänzen aus verschiedenen Ländern trafen sich 23 Schülerinnen und Schüler unter der Anleitung von Frau Singer pünktlich in der Turnhalle. Es ging auch sogleich los mit der Suche nach einem Partner, einer Partnerin für den ersten Tanz aus Frankreich „Bonjour Bonjour“. Doch das Tanzen mit dem eigenen Partner war jeweils nur von kurzer Dauer, da fast alle Tänze (bis auf den rumänischen und den bulgarischen, die beide ohne Partner getanzt wurden) von ständigem Partnerwechsel begleitet wurden. Unzählige Begegnungen der Schülerinnen und Schüler untereinander mit insgesamt sehr viel Bewegung waren also vorprogrammiert.

Auf der Bühne präsentierte die Gruppe, nach demokratischer Abstimmung, einen israelischen und einen finnischen Tanz, welche beim Publikum sehr gut ankamen und für großen Applaus sorgten. 

Die Gruppe war sehr fleißig und erarbeitete insgesamt konzentriert 6 Tänze, darunter auch einen von den Irokesenstämmen „Aiionwatha Creates Wampun“. Die Pausen waren nur kurz. Dennoch hat diese Aktion sehr viel Freude gemacht, nicht nur der Lehrerin, die sehr stolz auf die Schülerinnen und Schüler ist.

Georgia Singer (L)

Thema unseres Workshops beim UNESCO-Projekttag war das Portraitzeichnen, ein genaues Wahrnehmen des Gegenübers.

12 Schülerinnen und Schüler trafen sich und erfuhren zunächst allgemeine anatomische Kriterien des menschlichen Kopfes. Dann begannen die Teilnehmer:innen sich gegenseitig in der Profilansicht zu zeichnen. Zunächst wurde mit Bleistift, später mit Kohle und Rötel gearbeitet. Nach den Profilzeichnungen entstanden auch Frontalansichten, die mit Bleistift oder mit Kohle gestaltet wurden. Die Zeit verging sehr schnell. Es herrschte eine konzentrierte Arbeitsatmosphäre. Alle machten engagiert mit und staunten über die Ergebnisse.

Am Ende des Vormittags wurden die Zeichnungen an Stellwänden im Foyer des Festsaales ausgestellt.

Barbara Kastl-Salaris (L)

Am 26.07.23 traf sich die am Thema Rechtsterrorismus heute: NSU-Komplex interessierte Gruppe von 26 Schülerinnen und Schülern der 9. bis 12. Jahrgangsstufe morgens im Klassenraum der 9c. Wir wurden begrüßt von einer Mitarbeiterin des Nürnberger Menschenrechtsbüros. Um die jungen Leute möglichst faktenorientiert an das Thema „Nationalsozialistischer Untergrund“ heranzuführen, hatte unsere Referentin mit einfachsten Mitteln, bestehend aus Jahreszahlenkarten von 2008 – 2022 in der Mitte des Sitzkreises einen Zeitstrahl ausgelegt, der den Zeitraum vom Beginn der Morde an türkischstämmigen Mitbürgern, verübt durch Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe über erste ergebnislose staatliche Ermittlungen, dann die Selbstenttarnung der Gruppe bis zur gerichtlichen Bestätigung der lebenslangen Haft für Beate Zschäpe im Revisionsverfahren darstellte. Die Schülerinnen und Schüler wurden nun aufgefordert, sich jeweils drei verdeckte „Ereigniskarten“ zu ziehen, welche unter Bezug auf den Zeitstrahl die einzelnen Geschehnisse erläuterten. Auf diese Weise wurden alle Anwesenden direkt in die Rekonstruktion der Abläufe eingebunden und mussten vor allem Presseberichte zu den einzelnen Ereignissen vorlesen. Dazwischen spielte unsere Referentin wiederholt Podcasts mit Kommentaren von Angehörigen der Opfer ab. 

Die Intention unserer Referentin war es, vor allem den Blick auf die Opfer zu lenken, zumal einige von ihnen in Nürnberg lebten, da in der Öffentlichkeit bisher meistens nur die Täter im Zentrum standen. Während der schrittweisen gemeinsamen Auseinandersetzung mit dem Vorgefallenen wurde zur Bestürzung der Anwesenden zunehmend deutlich, wie sehr Vorurteile in den Reihen der polizeilichen Ermittler lange Zeit die Aufklärungsarbeit in eine falsche Richtung lenkten, da man die Morde zunächst dem türkischen Umfeld der Opfer zuschob. Einige der Schülerinnen und Schüler in der Gruppe verurteilten dies auch mit klaren Worten.

Zum Abschluss des Workshops bildeten sich zwei Gruppen, die eine um eine Neuntklässlerin, die andere um einen Zwölftklässler. Nach kurzer interner Diskussion gestaltete jede Gruppe ein Plakat, das die Quintessenz der gemeinsamen Arbeit zum Ausdruck brachte, nämlich dass die Menschenrechte für alle gelten, und dass im Ernstfall niemand von uns allein auf Grund des eigenen kulturellen Hintergrunds dazu berechtigt ist, Mitmenschen anderer kultureller Prägung zu verachten und womöglich zu bekämpfen. Beide Plakate wurden Teil der Ausstellung zum UNESCO-Projekttag im Foyer des Festsaals.

Stephan Pirling (L)

Im ersten Teil des Projekts wurden die 17 Ziele für eine bessere Welt präsentiert und ausführlich erörtert. Dabei wurde besonders darauf eingegangen, wie diese Ziele miteinander verknüpft sind und wie sie effektiv umgesetzt werden können, um den drängendsten globalen Herausforderungen zu begegnen. Diese Herausforderungen umfassen Themen wie Armut, Hunger, Ungleichheit, Umweltverschmutzung, Bildungsmangel, Gesundheitsprobleme und den Klimawandel. Es wurde klar herausgearbeitet, dass der Schlüssel zur Erreichung dieser Ziele in einer verstärkten globalen Zusammenarbeit und im Ausbau von Partnerschaften liegt. Nur auf diese Weise können wir eine bessere Zukunft für alle Menschen gestalten. Hierbei kam den Menschenrechten eine herausragende Bedeutung zu, da sie eine zentrale Rolle spielen und die Grundlage für ein würdevolles und gerechtes Leben bilden, das im Einklang mit den Zielen für nachhaltige Entwicklung steht.

Im zweiten Abschnitt unseres Projekts konzentrierten wir uns auf die Auswahl von vier spezifischen Zielen aus der Agenda 2030 der Vereinten Nationen. Diese Ziele, nämlich die Förderung nachhaltiger Städte und Gemeinden, die Bereitstellung von bezahlbarer und sauberer Energie, die Umsetzung von Maßnahmen zum Klimaschutz und die Förderung verantwortungsvoller Konsum- und Produktionsmuster, standen im Mittelpunkt unserer vertieften Untersuchungen.

In Gruppenarbeiten waren die Schüler aufgefordert, in ihren Gruppen darüber nachzudenken, wie diese vier Ziele in verschiedenen Kontexten erreicht werden können. Dabei unterteilten wir die Betrachtung in drei Kategorien:

a) Was kann ich tun: Hier mussten die Schüler darüber nachdenken, wie sie persönlich zu diesen Zielen beitragen können, sei es durch bewusstes Konsumverhalten, Energieeinsparungen im Alltag oder die Teilnahme an lokalen Umweltschutzinitiativen.

b) Was kann meine Stadt/Land tun: Diese Kategorie forderte die Schüler auf, über die Verantwortung ihrer unmittelbaren Gemeinschaft oder ihres Landes bei der Umsetzung dieser Ziele nachzudenken. Dies könnte die Förderung umweltfreundlicher Infrastrukturen, die Unterstützung erneuerbarer Energien oder die Einführung von umweltfreundlichen Transportmöglichkeiten beinhalten.

c) Was kann Deutschland tun: In dieser breiteren Perspektive wurde den Schülern die Gelegenheit gegeben, über nationale Maßnahmen und politische Initiativen nachzudenken, die zur Erreichung dieser Ziele beitragen könnten. Dies umfasste Überlegungen zur Gesetzgebung, zur internationalen Zusammenarbeit und zur Entwicklung nachhaltiger Technologien.

Die Ergebnisse dieser intensiven Gruppenarbeit wurden in Form von Postern präsentiert, die im Anschluss der gesamten Schulgemeinschaft vorgestellt wurden. Dies ermöglichte nicht nur eine breitere Sensibilisierung für diese wichtigen Ziele, sondern förderte auch den Dialog und die Zusammenarbeit, um konkrete Schritte zur Verwirklichung dieser Ziele zu entwickeln.

Hans-Jürgen Wagner (L)

Zum Abschluss präsentierten die Gruppen ihre Ergebnisse im Festsaal oder auf Stellwänden im Bistro und hatten die Möglichkeit, sich über ihre unterschiedlichen Workshop-Erfahrungen auszutauschen. 

So war der Projekttag vor allem auch ein ganz besonderer Tag der Begegnungen miteinander: Schüler*innen verschiedener Altersgruppen und Klassenstufen kamen in den gemeinsamen Austausch und ins gemeinsame und gegenseitige Erleben. 

Wir freuen uns sehr auf den kommenden Projekttag 2024!

Johanna Wilpert (für das UNESCO-Team)

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