Gartenbau zu Coronazeiten

Mit dem Landwirtschafts-Simulator 18 durch den Schulgarten?


Nachdem die Schule aufgrund von Corona schließen musste, kein Schüler mehr die Schule betreten durfte, standen wir Gartenbaulehrer allein im Schulgarten. Es war ruhig, angenehm ruhig und letztlich doch zu ruhig. Vor Corona wuselten täglich fast 100 Schüler durch den Garten, jetzt standen wir zu viert auf weiter Flur.

Vom ersten Tag an stand für uns fest, dass die Arbeit im Schulgarten im Rahmen aller einschränkenden Vorgaben weitergehen musste. Wir würden zwar unsere pädagogische Tätigkeit etwas minimieren, dafür umso tatkräftiger im Handwerk anpacken dürfen. Wir machten uns also ans Werk, gruben die Felder um, räumten das Gewächshaus aus, säten aus, pikierten, befestigten die Wege mit neuen Randplatten, stachen den Kompost um, siebten Erde, legten Beete neu an, gossen die Pflanzen und Saaten, setzten biologisch-dynamische Präparate ein, überlegten uns neue Konzepte, probierten neue Kreationen (Basilikum-Pesto) … So wirr diese Aufzählung klingt, so gut ging alles Hand in Hand. Zusätzlich bekamen wird Unterstützung von den Kollegen des Blauen Hauses, weiteren Lehrerkollegen, Kindern der Notbetreuung etc., die aufgrund der Größe des Gartens immer ausreichend Abstand zueinander einhalten konnten.

Jenseits der verpflichtenden Arbeit, die die Natur einem abverlangt, war die Tätigkeit persönlich sehr erfüllend: In Zeiten, in denen viele Menschen wenig jenseits ihrer vier Wände zu Gesicht bekamen, konnten wir an die frische Luft, bei vorsommerlichen Temperaturen die Sonne aufnehmen, die Kräfte der Natur beim Erblühen der Tulpen und Gräser wahrnehmen – dies alles wirkte energiespendend auf uns zurück. Zudem flogen die Bienen des Schulgeländes zu Hunderten um uns, vereinten ein meditatives Summen in den Lüften. Eine ganz besondere Aufmerksamkeit schenkte uns ein Rotkehlchen, das täglich um uns herumhüpfte und unser Tun mit leicht zur Seite gekipptem Kopf beäugte. Es schien mit uns zufrieden zu sein und wir genossen die Gesellschaft dieses kleinen Kerls.

An die Schüler dachten wir auch öfters und wünschten uns, dass sie den Weg aus der Wohnung ins Freie finden konnten, wenn sie auch nicht zu uns kommen durften. Während andere Fachkollegen die Schüler mit Online-Unterricht versorgten, schien uns diese Methode/dieses Medium eher unpassend für den Gartenbau. Mit einem Schmunzeln dachte ich diesbezüglich an meinen kleinen Neffen, dem ich vor Jahren zusah, wie er am Computer mit dem Spiel „Landwirtschafts-Simulator 18“ Felder bestellte. Sollte man Schüler so ins Tun bringen, so eine Verbindung zur Natur und Landwirtschaft schaffen? Eine wohl eher rhetorische Frage. – Trotzdem sollte es nicht nur bei guten Gedanken bleiben: Als Anregung gaben wir den Schülern mit auf den Weg, ein Insekten-Hotel anzufertigen. Weiterführende Fragen hierzu sollten das Interesse an Insekten, deren Lebensraum und Beziehung zueinander, die handwerklichen Fähigkeiten und den kritischen Blick, weshalb man von einem „Hotel“ spricht, wecken. Die Ergebnisse der Schüler werden letztlich als Projekt zusammengeführt, sodass die Schule insgesamt auch im Jahr 2020 wieder den Titel „Umweltschule in Europa“ erwerben kann.

Das tägliche und körperliche Arbeiten macht letztlich müde. Rudolf Steiner selbst hat einmal gesagt, dass es ein Ziel des Gartenbau-Unterrichts sei, dass die Schüler abends eine gesunde Mündigkeit empfinden und mit dieser entspannt einschlafen. Ich konnte die letzten Tage und Wochen sehr gut schlafen!

Es bleibt nur noch eins zu sagen: Wir freuen uns alle, wenn wir diese schönen Erlebnisse im Schulgarten wieder mit den Schülern im gemeinschaftlichen Arbeiten erfahren und empfinden dürfen!

Für den Gartenbau
Stefan Wilpert

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