Gartenbau zu Coronazeiten – Teil II

Von Schülern von zuhause
für Insekten ein Zuhause

Wie bereits erwähnt, blieb es aufgrund der Schulschließungen den Schülern vor Ostern leider verwehrt, den Gartenbau-Unterricht wahrzunehmen. Natürlich haben auch wir uns als Gartenbau-Lehrer gefragt, wie wir die Entwicklung der Schüler fachspezifisch weiter unterstützen können – nicht so einfach, da digitaler Unterricht mit Blick auf praktisches Handeln und Erleben im Garten doch eher abstrakt erscheint, auch Outdoor-Aktivitäten aufgrund der aktuellen Ausgangsbeschränkungen schwierig im größeren Kreis anzuregen waren (Stand vor Ostern 2020).

Angeregt durch den LBV haben wir dann ein Projekt ins Rollen gebracht: Erstellen von Mini-Insekten-Hotels für daheim und den Pausenhof. Insgesamt 150 Schüler der 6. und 7. Jahrgangsstufe wurden aufgerufen, Bauanleitungen zu studieren und in der familiären Gemeinschaft ganz persönliche Insekten-Hotels zu kreieren. Darüber hinaus sollten die Schüler das Projekt nicht schlicht auf der Basis bestehender Anleitungen ausführen, sondern wir haben selbst entsprechende Modifizierungen vorgenommen: Es sollte ein auf jeden Schüler, seine Fähigkeiten und Interessen abgestimmtes Projekt sein, das die Bereiche des kognitiven wie praktischen Handelns umschließt und hierbei auch den aktuell etwas eingeschränkten Bereich des Sozialen, des gemeinsamen Tuns (innerhalb der Familie) stärkt. Jenseits des Bauens eines Insekten-Hotels sollten sich die Schüler darüber hinaus auch noch weiterführenden Fragen/Themen stellen. Hierzu wurden vertiefende Aufträge mit an die Hand gegeben. In Kürze ein paar Eindrücke der Aufgabenfelder:

  1. Regionale Insekten:
    Fertige eine Liste mit fünf Namen an, welche Insekten in Nürnberg und der Metropol-Region heimisch und in ihrer Anzahl recht groß vertreten sind!
  1. Welche Insekten passen in die WG?
    Erkundige dich, welche Insekten miteinander harmonieren bzw. sich nicht gegenseitig fressen! Fertige eine Liste der gewünschten Bewohner des Insekten-Baus an (maximal fünf)!
  1. Materialien, Formen, Farben, Geruch, Geschmack etc.:
    Nimm für den äußeren Rahmen des Baus möglichst Holzbretter (alte Regalböden, Holz von alten Kisten etc.)! Messe die Bretter gut aus, schneide sie exakt zurecht und füge sie stabil zusammen!
    Nimm zum Füllen der Parzellen ausschließlich Materialien, die natürlich sind (Holz, Wolle, Schnur, Papier, leere Klopapierrollen etc.) und die bei dir bereits zuhause gegeben sind! Du wirst vieles finden, wenn du auf die Suche gehst!
  1. Gegenseitiges Wahrnehmen der Insekten-Bauten:
    Mache ein Foto deines Insekten-Baus! Dieses wird im Unterricht wieder aufgegriffen werden.
    Suche deinen Insekten-Bau regelmäßig auf, nimm Veränderungen wahr!
  1. Insekten-Hotel:
    Notiere weitere/bessere Bezeichnungen des Insekten-Baus jenseits der Bezeichnung Hotel!

[Anmerkung: Die ungekürzte Fassung des Arbeitsauftrags ist in Gänze auch weiterhin bei uns zu erhalten, einfach an die Gartenbaulehrer wenden.] 

Somit wurde das Projekt jenseits des Gartenbaus auch fächerübergreifend in die Bereiche Geografie (regional-spezifisch Franken), Biologie (Zusammenleben der Insekten) und Werken (Verarbeiten der Materialien) eingebettet.

Die ersten Rückmeldungen der Schüler und Elternhäuser kamen sehr zeitnah und waren meist sehr positiv: Natürlich gab es Problemstellungen und nicht alles wollte und sollte gleich so gelingen wie angedacht, aber die zugesandten Bilder zeugen doch von richtig erfolgreichen Projekten! Die folgenden Bilder bieten eine kleine Auswahl der jeweiligen Bauten:

Darüber hinaus wurde sich mit unseren Zusatzfragen sehr bewusst auseinandergesetzt. Jenseits der Bezeichnung Hotel wurden beispielsweise Unterkunft, Nest, Überlebenshilfe oder Zuchthaus genannt. Letzteres ist mit Blick auf Aufzucht und sicherlich nicht im Sinne des Züchtigens zu verstehen.

Wenn die Schüler die Schule wieder besuchen können, wird das Projekt natürlich umfassend nachbetrachtet und wir hoffen sehr, dass die geplante Ausstellung der Insekten-Hotels im Zuge des diesjährigen Schulfests ein Erlebnis für die ganze Schulfamilie sein kann.

Bis dahin verweilen die Insekten-Hotels mehrheitlich in häuslicher Umgebung, wodurch die Schüler das zunehmende Beleben der Bauten beobachten können. Ein Insekten-Hotel soll noch symbolisch unserer potenziell neuen Umwelt-Partner-Schule in Wendelstein überreicht werden, damit auch die Insekten Wendelsteins ein Zuhause und die jeweiligen Schulen und Schüler zueinander ein sichtbares Objekt der Verbundenheit vor Augen haben.

Wir Gartenbau-Lehrer haben uns wirklich sehr über die Zusendungen und die Teilnahmen der Schüler am Projekt gefreut! Wir wünschen allen Schülern und Eltern eine gute Zeit und freuen uns auf ein Wiedersehen mit den Schülern und deren Insekten-wie-auch-immer-bezeichneten-Bauten!

Für das Gartenbau-Team

Stefan Wilpert

P.S.: Sollten Sie sich als Leser durch diesen gerade gelesenen Artikel motiviert fühlen, für sich oder die Schule ein Insekten-Hotel anfertigen zu wollen, so können Sie jederzeit die entsprechenden Projekt-Informationen unter s.wilpert@waldorfschule-nuernberg.de erfragen!

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