Ingeburg Lindenthal-Harnisch (1948 -2025)

Handarbeitslehrerin 1975 bis ca. 1996

Ingeburg Lindenthal-Harnisch wurde am 14. April 1948 in Ringsberg im Norden Deutschlands als viertes von zwölf Geschwistern geboren, wuchs in Kiel auf und legte dort 1967 das Abitur ab, nachdem sie ein Jahr vorher die Operation eines Hirntumors überstanden hatte. Sie entschied sich für das Lehramtsstudium, da sie dies als realistischen Beruf betrachtete, um sich und ihre 1969 geborene Tochter Uta alleinerziehend zu ernähren.

Im Rahmen ihres Pädagogikstudiums und der erforderlichen Praktika, besonders auch im Zusammenhang mit dem Kunstunterricht, den sie hier erlebte, gewann sie die Überzeugung, dass es neben dem staatlichen Schulwesen noch etwas anderes geben könnte, ein anderes Schulsystem, wo sie auch ihre Tochter hinschicken könnte und wollte. Die Suche führte sie nach Stuttgart, wo sie ab Herbst 1974 das Waldorflehrerseminar an der Uhlandshöhe besuchte, um sich ein Jahr später als Handarbeitslehrerin nach Nürnberg zu bewerben.

Hier wurde sie von den Kolleginnen Eva Oppolzer (später verheiratete Galsterer) und Roswitha Winkelmann eingearbeitet und unterstützt. Spätere Handarbeitskolleginnen waren u.a. Rotraut Weinmann, Cordula Weiß, Brigitte Vogel, Beate Schettler, Christa Quiske, an die sie selbst wiederum ihr Wissen und ihre Erfahrung gerne weitergab.

Sie eignete sich mit Freude und Engagement viele neue Arbeitstechniken an wie Spinnen, Korbflechten, Weben, Kreuzstich-Sticken, das Stricken von Zwerglein, Bällen und Schäfchen, das Häkeln von Topflappen und Ballnetzen. Mit den Kindern zusammen sägte, spitzte und schliff sie aus Buchenholz-Rundstäben die Stricknadeln. Mit den sechsten Klassen ging sie in den Tiergarten, um Tiere zu beobachten und zu zeichnen. Anhand der Zeichnungen entwarf sie mit den Schülern passende Schnitte für Elefanten und andere vierbeinige Tiere, Wert darauf legend, dass die Proportionen stimmten, die Zwickel an passender Stelle saßen, die Beine nicht zu dick und nicht zu schmal waren und so ausgestopft wurden, dass die Tiere auch standen. Beim Puppennähen war die erste Herausforderung, dass beim Binden des Kopfes die Augenlinie in der richtigen Höhe abgebunden wurde. Bevor dann das Gesicht gestickt wurde, zeigte sie den Schülern, wie sie mit farbigen Stecknadeln die richtige Position für Augen und Mund fanden.

Später begann sie, neben Seide und Märchenwolle auch Strickwolle zu färben und erreichte hier eine immer vollständigere Farbpalette mit Pflanzen- und Naturfarben wie z.B. Krapp, Cochenille, Indigo, Birkenblättern, Zwiebel- und grünen Walnussschalen. Dabei legte sie großen Wert darauf, möglichst licht- und waschechte Färbungen zu erreichen.

Viele Klassenspiele stattete sie mit Kostümen aus und half auch gerne beim Schminken. Sie fuhr auf viele Klassenfahrten als Begleitperson mit und lernte Skifahren, um die Anfänger-Gruppen betreuen zu können.

In ihren Anfangsjahren leitete sie eine Volkstanzgruppe für Schüler. Die Musik dazu spielte sie auf ihrer kleinen Piccoloflöte oder von Kassetten. Nach der Wiedervereinigung bestanden über viele Jahre Pläne und Träume, sich im Südosten Berlins auf einem rückgeeigneten Grundstück aus der Familie ihres Mannes niederzulassen, um mit Wolle, Seide, Filzen, Färben, Spinnen, Weben, Kursen und Ferien-Vermietung Farbe und Vielfalt in diese Gegend zu tragen. Wegen dieser Pläne kehrte sie nach ihrer Elternzeit mit Alice nicht mehr dauerhaft an die Schule zurück. Über etliche Jahre beteiligte sie sich als Dozentin am Waldorfkindergarten-Seminar in der Heimerichstraße.

Dann mündeten die Pläne letztlich im Aufbau ihrer Wolle-Werkstatt in Hersbruck. Von hier aus versorgte sie noch lange die Schule und den Landkreis mit farbiger Strickwolle, bunter Märchenwolle, Gefilztem, Gestricktem, Gewebtem, Gesponnenem, farbiger Seide, Rat und Erfahrung.

Nach dem Tod ihres Mannes zog sie 2018 nach Berlin, um dort noch mehr Oma zu sein für die jüngeren der acht Enkel. Außerdem lag von dort aus das Meer, das sie sehr liebte, etwas näher. Im Januar kam sie nach Nürnberg zu Besuch und erkrankte für alle unerwartet an einer schweren Influenza, an der sie am 14. Februar 2025 verstarb. So fand es sich, dass ihr Grab, unter demselben Baum wie ihr Mann und ihre geschätzte Kollegin Elke Kreitlow, im Nürnberger Land in Hersbruck sein konnte.

Uta Lindenthal (E)

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