
- Ein Baum für die Menschenrechte: Dagmar Wöhrl, parlamentarische Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium, die ehemalige Bundesfamilienministerin Renate Schmidt, Stadtrat Gebhardt Schönfelder sowie Schulleiter Dr. Klaus Bartke beim Einpflanzen des Ginkgos auf dem Schulhof der Rudolf-Steiner-Schule.

Was ist das?
Kurz gesagt: eine Schule, die die UNESCO-Ideale im Unterricht, in ihren Projekten und im ganzen Schulleben besonders intensiv fördern und entwickeln will! Die UNESCO (United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization) ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur. Ziel der UNESCO ist es, durch Förderung der Zusammenarbeit zwischen den Völkern auf den Gebieten der Erziehung, Wissenschaft und Kultur zur Wahrung des Friedens und der Sicherheit beizutragen (vgl. Art. 1 der UNESCO-Verfassung).
Ein Schwerpunkt der Arbeit der UNESCO ist das 1953 ins Leben gerufene "Internationale Schulprojekt". Heute gibt es weltweit circa 8.000 Schulen in 177 Ländern (in Deutschland sind es 188), die an dem UNESCO-Schulprojekt mitwirken. Pädagogische Schwerpunkte dieser UNESCO-Projekt-Schulen sind die interkulturelle Erziehung, Friedenserziehung, Menschenrechtserziehung, Umwelterziehung sowie das Anliegen "Eine Welt/Dritte Welt" - alles Bildungs- und Erziehungsaufgaben mit einer ausgeprägten internationalen Dimension. Hinzu kommt die Beteiligung der Schulen an Hilfsaktionen der UNESCO, zum Beispiel für Kinder in Bosnien.
Die UNESCO-Projekt-Schulen verfassen jährlich für das jeweils zuständige Kultusministerium und für die nationale UNESCO-Kommission einen Bericht über ihre Aktivitäten. Sie sollen so regelmäßig den Nachweis erbringen, dass sie den in sie gesetzten hohen Ansprüchen genügen.
Wie wird man UNESCO-Projektschule?
Angeregt durch Herrn Bernd Ruf (Lehrer an der Freien Waldorfschule Karlsruhe) und den "Freunden der Erziehungskunst Rudolf Steiners" diskutierten wir in der Lehrerkonferenz und im Vorstand unserer Schule die Erfordernisse und Möglichkeiten, im Kreis der UNESCO-Projekt-Schulen mitzumachen. Da die Ideale der UNESCO in fast allen Punkten mit unseren pädagogischen Zielen übereinstimmen, wollten wir gerne unsere Arbeit und Kräfte in einen großen Kreis Gleichgesinnter einbringen und gleichzeitig unsere Aufgeschlossenheit für Anregungen anderer Schularten zeigen. Im Frühjahr 1995 wurde der Antrag bei der Deutschen UNESCO-Kommission in Bonn und beim Bayer. Staatsministerium für Unterricht und Kultus eingereicht; als "interessierte" Schule mussten wir jährlich durch Taten, Berichte und Teilnahme an Tagungen unser Engagement beweisen vier Jahre lang.
In Deutschland gibt es zur Zeit circa 100 UNESCO-Projekt-Schulen mit unterschiedlichem Status. Die "anerkannten Schulen" (a-Schulen) sind fest in das internationale UNESCO-Schulnetz integriert; die "mitarbeitenden Schulen" (m-Schulen) durchlaufen eine Art Probezeit und werden in der Regel nach einigen Jahren "anerkannt". Unsere Schule hofft, dass ihrem Antrag auf Anerkennung als a-Schule noch im Jahr 2008 stattgegeben wird. Darüber hinaus gibt es noch zahlreiche Schulen, die an einer Aufnahme in das UNESCO-Schulnetz interessiert sind. Diese dürfen sich noch nicht als UNESCO-Projekt-Schulen bezeichnen auch wenn sie schon mehrere Jahre engagiert in einem regionalen Netzwerk mitarbeiten.
1997 nahm Frau Elisabeth Heinermann als UNESCO-Beauftragte die Arbeit als Koordinatorin unserer Schule auf. Seit 2003 arbeiten Herr Dr. Nies-Steffens und Frau Lankes-Weiß und von Elternseite Frau Seegy als UNESCO-Projekt-Schul-KoordinatorInnen mit einer Arbeitsgruppe von Schülerinnen und Schülern aus der Oberstufe zusammen.
Welche UNESCO-Aktivitäten leben in unserer Schule?
Da die Bereiche, in denen die UNESCO-Projekt-Schulen aktiv arbeiten sollen, sehr breit gefächert sind, werden jährlich von der UNESCO in Paris Schwerpunkte für alle Schulen festgelegt. So z.B.
2004: Lebenselixier Süßwasser
2005: Begegnung der Kulturen
2006: Lebens(t)raum Sport
2007: Afrika
2008: Integration
Dass die Waldorfschulbewegung eine internationale Dimension besitzt, soll hier nicht weiter erörtert werden. Doch welchen Beitrag zur Erhaltung unserer Umwelt, zum Frieden, zum Eine-Welt-Gedanken leistet insbesondere unsere Schule?
1. Erhaltung der Umwelt
Die Pflege von Natur und Umwelt ist vom Kindergarten an Anliegen der Waldorfpädagogik. Gartenbau-Unterricht, Land- und Forstwirtschaftspraktika in Mittel- und Oberstufe leisten einen wertvollen Beitrag zur Pflege der Natur, die dadurch wieder Lebensraum für Pflanzen und Tiere werden kann.
Von der Bedrohung unserer Ressourcen erfahren die Schüler täglich durch die Medien. Im Sinne der AGENDA 21 war es daher ein Anliegen des Projekttages im Juni 1999 mit dem Thema "Wasser", den Schülern theoretisch und in der Praxis vor Augen zu führen, wie vielfältig die Bedeutung von Wasser und wie wichtig für die Menschheitszukunft der behutsame Umgang mit diesem Element ist.
Immer wieder setzen sich Schüler der 12. Klassen in ihren "Jahresarbeiten" mit Themen des Naturschutzes und des biologisch-dynamischen Landbaus auseinander.
2. Eine Welt/Dritte Welt
Schon seit vielen Jahren unterstützt die Rudolf Steiner-Schule Nürnberg die "Associacao Comunitaria Monte Azul", ein Sozialprojekt in den Slums von Sao Paulo. Auf dem alljährlichen Weihnachtsbazar werden kunsthandwerkliche Gegenstände aus der "Favela" verkauft; außerdem geht auch der Erlös einer Teestube nach Sao Paulo.
Ehemalige Schüler engagieren sich, beeindruckt durch Vorträge in der Schule, als Zivildienstleistende oder Sozialhelferinnen in Südafrika und Brasilien.
Beim alljährlich stattfindenden WOW-Day engagiert sich die gesamte Oberstufe für jeweils ein Hilfsprojekt.
3. Internationale Kontakte/Friedenserziehung
Neben dem offiziellen Schüleraustausch mit Aixe-sur-Vienne im Limousin/Frankreich gibt es viele Kontakte einzelner Schüler mit ausländischen Schulen. Vor allem in den Sommermonaten füllen sich die Klassen mit Gastschülern aus aller Herren Länder.
Außerdem besteht mit einer Waldorfschule in Semily/Tschechien ein regelmäßiger und sehr aktiver Schüler- und Lehreraustausch. Auch Gruppen von Lehrern anderer ausländischer Schulen besuchen gerne die Rudolf Steiner-Schule Nürnberg.
Im Jahre 1998, als an die Verkündung der Menschenrechte vor 50 Jahren gedacht wurde, gestalteten Schüler der Oberstufe zweimal im Germanischen Nationalmuseum und in der Straße der Menschenrechte eigene Projekte (Presse und Schulmitteilungen berichteten darüber).
Im Sozialpraktikum der 11. Klasse gewinnen die Schüler Verständnis und Toleranz für ihre Mitmenschen, indem sie in den von ihnen gewählten Einrichtungen wie z. B. Kindergärten, Krankenhäusern, Altersheimen, Behinderteneinrichtungen tätig mitarbeiten.
Im Schujahr 2007/08 konnte unsere Schule eine Gruppe von Zeitzeugen aus Frankreich einladen um über ihre Erfahrungen und Erlebnisse als Gefangene und Überlebende des Konzentrationslagers Flossenbürg zu sprechen. Für alle Beteiligten war es eine denkwürdige Veranstaltung.
Außerdem übernimmt unsere Schule bei den alljährlich stattfindenden Jugendforen der bayerischen UNESCO-Projektschulen immer eine aktive Rolle.
Wie wollen wir weiterarbeiten?
Die Gedanken der UNESCO sind mittlerweile in der gesamten Schulfamilie fest verankert und das Koordinations-Team freut sich über immer neue kreative Ideen der Kollegen und Schüler, wenn es z. B. um die Planung des Projekttags, des WOW-Days, das Knüpfen interkultureller Kontakte oder um Umweltprojekte geht.
Im Juli 2008 war die feierliche Pflanzung eines "Baumes der Menschenrechte". Wir haben uns dieser speziellen Initiative der Stadt Nürnberg angeschlossen, der nach dem Abschluss der Aktionen im Herbst 2008 zum 60. Jahrestag der Proklamation der Menschenrechte, insgesamt 60 Institutionen im Stadtgebiet angehören werden.
E. Heinermann, S. Lankes-Weiß, M. Nies-Steffens
